Uhrwerk im Detail

Bifora Kaliber 113


Das Bifora Caliber 113 ist ein Handaufzugswerk mit zumeist 17 (21) Steinen, Ankerhemmung, 11 ½ Linien, 5,1mm Bauhöhe ohne Kalender, Bifora-Stoßsicherung und einer Schlagzahl von 18000 A/h. Die Zentralsekunde (SCD) befindet sich im Kraftfluss und ist nicht nachträglich aufgesetzt. Auffallend ist die große 2-Schenklige Glucydur-Unruhe und der Wippenaufzug. Es ist kein günstig zu produzierendes Pfeilerwerk, sondern edel alles auf einer Platine gefrässt und mit massiven Brücken versehen, viele Bauteile, aufwendig produziert und von der Werkseite her gesehen ist das deutscher Bauhausstil. Klare Gliederung, viele ebene Flächen. Deutsche Ingenieurskunst in den verschnörkelten 50er Jahre, hier hätte das Zifferblatt von Max Bill aus den 60er gut gepasst. Das Werk ist einfach schön, solange kein Uhrmacher das Werk mit dem Schraubenzieher vermurkst hat. Die Bauzeit dieses Calibers war recht kurz es wurde von Mitte/Ende der 50er Jahre bis 1962 produziert. Negativ ist mir nur die oft verbaute billige Stahl- Aufzugsfeder und die oft gebrochene Winkelhebelfeder aufgefallen. Die Winkelhebelfeder ist nicht mehr zu bekommen, eventuell passt eine aus einem defekten Caliber 104. Im Folgenden wird nur die Version ohne Kalender behandelt , da mir keine Kalenderversion vorliegt. Das Biforakalendarium stellt den schraubenden Uhrenliebhaber vor keine Probleme.

Funktionstest:
Vor der Demontage testen wir kurz die Funktionen.

  • Ist die Unruhfeder intakt?
  • Schwingt die Unruh sauber?
  • Geht die Zeigerverstellung korrekt?
  • Lässt sich das Werk aufziehen?
  • Ist das Werk ohne große Beschädigungen?


Beginnen wir mit der Demontage:
Gültig für ein Werk, welches nur neu geölt werden muss, alles ist vollständig und es werden keine Fehler gesucht. 80% der auf dem Flohmarkt von mir gekauften Uhren sind lediglich verharzt und benötigen eine Reinigung, neues Öl und Fett.
Zuerst geht es an den Ausbau des Werkes aus dem geöffneten Gehäuse, dazu wird die kleine Schraube des Winkelhebels 1-2 Umdrehungen gelöst und die Krone mit Aufzugswelle herausgezogen. Nun kann das Werk mit Werkhaltering vorsichtig aus dem Gehäuse (gehebelt) entnommen werden. Bei einigen Modellen ist der Dichtring (Flachdichtung) vorher vorsichtig heraus zu operieren. Der Werkhaltering ist sehr oft nicht mit dem Werk verschraubt. Werkhaltering entnehmen. Zeiger ablösen. An der Seite des Werkes sind 2 kleine Schrauben, welche das Zifferblatt halten, diese lösen, Zifferblatt abheben und die Zifferblattschrauben wieder eindrehen, damit sie beim Reinigen nicht verloren gehen. Die Aufzugswelle wird wieder montiert und bleibt beim Reinigen im Werk.
Jetzt können wir die Teile der Zifferblattseite ausbauen. Stundenrad mit Messingscheibe abziehen. Die Schraube in der Mitte der Aufzugswippe lösen. Achtung Linksgewinde. Aufzugswippe mit den 3 Zahnrädern und allen Unterlagscheiben entnehmen. Die äußeren Zahnräder sind gleich und die Unterlagscheibe in der Mitte der Wippe ist von verharztem Fett oft angeklebt. Wechselrad entnehmen und das Minutenrohr mit Druck nach oben abziehen. Das ist die Rutschkupplung zur Zeigerverstellung, deshalb sitzt das Minutenrohr recht fest auf dem Großbodenrad, danach kann die Stoßsicherung entfernt werden. Der Rest (Federn, Winkelhebel) kann am Werk verbleiben.

Nun geht es an die Werkseite.
Stoßsicherung an der Unruhe ausbauen. Um den Unruhkloben zu schonen hat es sich als günstig erwiesen (bei der Biforastoßsicherung) immer zuerst die Stoßsicherung der Zifferblattseite auszubauen. Danach kann der Unruhkloben mit Unruh abgebaut werden. Die Unruh mit Feder verbleibt, wenn Sie intakt ist am Kloben. Spätestens jetzt müssen wir Maßnahmen zur Entspannung der Aufzugsfeder ergreifen. Die Sperrklinke an dem Aufzugsrad (Zifferblattseite!) abheben und gleichzeitig die Krone zwischen Daumen und Zeigefinger festhalten und die Krone langsam zurückdrehen lassen. Eine gespannte Feder kann bei unkontrollierter Entspannung die Zähne am Großbodenrad oder Federhaus zerstören. Nun können wir die Aufzugsbrücke ausbauen und das Federhaus entnehmen. Federhaus demontieren und die Wicklungsrichtung der Feder merken.

Jetzt kommen wir zum Gehwerk.
Gehwerkbrücke abschrauben. Das Zahnrad für die Zentralsekunde entnehmen. Zwischenrad (Kleinbodenrad) entnehmen. Das Großbodenrad liegt unter einer großen Brücke. Das Lager (kleine Schraube) für die Zentralsekundenrad ausbauen. In den Caliber 115 und 130 ist es nur lose eingelegt und fällt beim Reinigen gerne heraus. Anschließend die Brücke für das Großbodenrad ausbauen. Jetzt kann gefahrlos das Anker- und Großbodenrad (Minutenrad) entnommen werden. Das Werk ist nun fertig für die Reinigung. Nach Reinigung und Trocknung kann das Werk in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammengebaut werden. Zur Schonung des Unruhklobens zuerst die Stoßsicherung am eingebauten Unruhkloben einbauen und danach auf der Zifferblattseite. Vor dem Zusammenbau sollten alle Teile auf Vollständigkeit und die Zahnräder auf Zahnausfall geprüft werden. Die Achsen/Zapfen dürfen nicht abgebrochen oder verbogen sein, hier besonders auf die Unruhe und das Ankerrad achten.