DGC Meldungen

Ausstellungseröffnung "Bifora"
am 14. April 2014

Die industrielle Blüte der 30er Jahre

Von links: Hans Peter Reif, Bruno Kunert, OB Richard Arnold, Götz Schweitzer, Josef M. Stadl
Von links: Hans Peter Reif, Bruno Kunert (Designer des Markenzeichens "8 im Kreis"), OB Richard Amold, Götz Schweitzer, Josef M. Stadl

Der Bifora-Freundeskreis ist seit 2011 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie. Zur Ausstellungseröffnung lud der Vorsitzende Götz Schweitzer den Präsidenten der DGC als Festredner ein. Josef M. Stadl hob besonders hervor, dass bei seinem Besuch in Schwäbisch Gmünd vor vier Jahren in einem alten Aktenordner das Ablieferbuch der Firma Bifora an die Chronometerprüfstelle des Landesgewerbeamtes in Stuttgart entdeckt werden konnte. Dieses Buch und weitere Dokumente belegen ca. 2300 geprüfte Armband-Chronometer, Zeitdokumente von einmaliger Bedeutung. Der Bifora-Freundeskreis stellte der DGC die Originalunterlagen zur Digitalisierung zur Verfügung, sodass bei Rechercheanfragen an unsere Bibliothek nun umfassend Informationen zu Bifora-Chronometern zur Verfügung stehen.

Der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold, dankte dem engagierten Bifora-Freundeskreis für seinen besonderen Beitrag zum Programm der Landesgartenschau 2014 "Zwischen Himmel und Erde". Im ehemaligen Bifora-Fabrikgebäude in der Hauffstraße 2 wird die Zeit der Gmünder Uhrenproduktion wieder lebendig. Durch die Nähe zum Bahnhof und zum Landesgartenschaugelände kann eine große Anzahl an Besuchern erwartet werden.

Die Firma Bifora prägte die Geschichte der Stadt. Allerdings findet sich kaum Literatur zu dem Thema, außer einem Artikel in Klassik Uhren (3/2001) von Hans-Peter Reif, der bei der Ausstellungseröffnung ebenfalls anwesend war.

Die Firma Bifora ist heute fast unbekannt, was erstaunt. Lt. Reif war das Bifora-Kaliber 2025 von 1928 das erste für Armbanduhren konzipierte Formwerk sowie das erste serienmäßige Armbanduhrwerk mit Palettenankerhemmung eines deutschen Herstellers. Vor dem Krieg beschäftigte Bifora 500 Angestellte. Bereits 1951 konnte die Firma als erste Uhrenfabrik in Deutschland ein Automatik-Kaliber vorstellen. Die "B-Automatic" mit dem Kaliber 103 SA war ein 13-liniges Werk. Spitzenmodell war das "Unima-Chronometer", das 1955 entwickelt wurde. Mit der Produktion dieser Präzisionsuhr begann die Blütezeit für Bifora. in den 60er und 70er Jahren wurden mit mehr als 1000 Mitarbeitern bis zu 4000 Uhren pro Tag produziert und in 42 Länder exportiert. Bis auf Zug- und Spiralfedern konnten alle Teile in der eigenen Produktion gefertigt werden, heute würde man von einer Manufaktur mit hoher Eigenfertigungstiefe sprechen.

Obwohl Bifora in den 70er Jahren eigene Quarz-Werke entwickelt hatte, konnten die Söhne des Firmengründers Josef Bidlingmaier aufgrund der Konkurrenz aus Fernost 1977 den Konkurs nicht vermeiden. Die Fabrik wurde 1978 von Hiranand Gajria, dem indischen Generalimporteur für Bifora, übernommen. Nach der Übernahme wurde mit ca. 150 Beschäftigten u.a. noch die ultraflache "L"-Uhr-Linie hergestellt. Die neuen Eigentümer exportierten ganze Produktionsanlagen nach Indien und fertigten dort das Handaufzugkaliber 91. Der Schwiegersohn Jawahar Kandhari führt noch heute in Schwäbisch Gmünd die Bifora-Handelsvertretung und ermöglichte die Ausstellung, indem er dem Verein Räume in der alten Bifora-Fabrik zur Verfügung stellte.

Dr. Susanne Stadl



MITTEILUNGEN NR. 138 SOMMER 2014